Elektromobilität ist aktuell der bedeutendste Ansatz für die Dekarbonisierung des globalen Straßenverkehrs. Sie nahm in den letzten Jahren stetig zu und ist weltweit auf dem Vormarsch. Nach Zahlen von BloombergNEF wurden im Jahr 2024 global 17,2 Millionen Elektroautos (EV) verkauft. Das sind 24 Prozent mehr als im Vorjahr, wobei der Schwerpunkt des Wachstums eindeutig in China lag. Afrikanische Länder steigen vom Verbrennungs- auf den Elektromotor um und scheinen die Ära des Verbrennungsmotors zu überspringen.
17,2 Millionen Elektroautos ist die weltweit verkaufte Summe an rein batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) und Plug-in-Hybridfahrzeuge (PHEV) im Jahr 2024. „Mild Hybrids“, in denen die Batterie ausschließlich durch den Verbrennungsmotor geladen wird, gehören ausdrücklich nicht dazu. Die meisten Prognosen gehen von einem vergleichbaren oder etwas stärkeren Wachstum für EVs im Jahr 2025 aus. Bloomberg NEF erwartet einen Absatz von 22,3 Millionen Elektroautos, was einem Wachstum von 30 Prozent bedeutet. Zwar wachsen global gesehen die PHEV dabei schneller als die BEV, sodass sie im laufenden Jahr 39 Prozent der EV bzw. 8,7 Millionen Fahrzeuge erreichen könnten, aber der weitaus größere Teil setzt mittlerweile auf reine Batteriefahrzeuge.
Das weltweite Wachstum konzentriert sich zunehmend auf China. Im Jahr 2024 wurden dort 65 Prozent der Elektroautos verkauft. Im Rest der Welt stiegen die Verkäufe nur um knapp 5 Prozent. In der EU sanken sie von knapp 2,4 Millionen auf 2,2 Millionen Fahrzeuge im Jahr 2024, was vor allem auf den Einbruch im sonst absatzstarken Markt in Deutschland zurückzuführen ist. In den USA hingegen stiegen sie stärker als erwartet von 1,5 auf 1,6 Mio. Fahrzeuge.
Der wirtschaftliche Erfolg der E-Mobilitätsindustrie ruht derzeit auf den strengeren EU-Vorschriften für Fahrzeugflotten, die Anfang 2025 in Kraft getreten sind. Sie bietet Planungssicherheit. Unklar ist dagegen die Situation in den USA. Die ersten präsidialen Dekrete der neuen Regierung zielen eindeutig darauf ab, das Wachstum der Elektromobilität zu bremsen. In wichtigen Märkten wie Japan, Indien und Brasilien sind Elektroautos noch eine Randerscheinung. Deren Wachstumsraten sind hoch, aber die Ausgangsbasis ist noch gering.
Afrika ist der Kontinent zukünftigen Wachstums – auch im Straßenverkehr. Die derzeit niedrige Motorisierungsrate (42 Kfz pro 1.000 Einwohner, im Vergleich Europa: 570 KFz ) wird Prognosen zufolge in den kommenden 20 Jahren um das Zehnfache ansteigen. Der Kfz-Markt des Kontinents ist bislang geprägt von importierten Gebrauchtfahrzeugen aus anderen Teilen der Welt. Der globale Boom der Elektromobilität bietet afrikanischen Staaten jedoch zukünftig Möglichkeiten, eigene Ressourcen zu nutzen, eine Automobilindustrie aufzubauen und transformatives Wirtschaftswachstum voranzutreiben. Mit entsprechenden Investitionen könnte die Anzahl an Elektrofahrzeugen die Anzahl der Verbrenner in Rekordzeit überflügeln und damit dort einen ähnlichen Durchmarsch antreten, wie der Mobilfunks bereits erlebt hat.
Für einen Automobilstandort wie Deutschland bietet Afrikas aufstrebender Markt viele Möglichkeiten. Aber Deutschland wird nicht mehr lange die Chance haben, diesen vielversprechenden Markt bei der Produktion von E-Fahrzeugen vor Ort zu unterstützen. Es kommt jetzt darauf an, schnell zu handeln.